Meine Schulkarriere war nicht unbedingt mit großen Erfolgen verbunden. Als es 1985 – trotz großer Zweifel meiner damaligen Mathelehrerin – von Großefehn nach Aurich zum Gymnasium ging, wusste ich nicht, was mich dort erwartete.
Gleich die erste Deutscharbeit eine glatte Fünf! Die von mir beschriebenen Blätter waren übersät mit der roten Tintenfarbe meines Klassenlehrers. Ein Schock. Ich hatte das Gefühl, das Thema total verfehlt zu haben. Und das hatte ich wohl auch. Wilhelm Tell und der Apfel auf dem Kopf – irgendwie habe ich die Geschichte bis heute nicht so richtig verstanden.
Deutsch. Ein Fach, in dem ich zuvor doch eigentlich immer ziemlich gut gewesen war. Ich verstand die Welt nicht mehr. Und es wurde nicht besser: Mathe, Naturwissenschaften, Erdkunde und Geschichte – ich kam selten über eine Vier hinaus. Nicht nur einmal überlegten meine Eltern und ich, die Schule wieder zu wechseln. Aber immer dann kriegte ich komischerweise die Kurve und es ging weiter.
Das Gymnasium war für mich eine Art Hass-Liebe. Einerseits hatte ich dort tolle Freunde gefunden. Andererseits ließen einzelne Lehrkräfte Schüler – die wie ich – aus dörflichen Gegenden kamen, gerne mal spüren, dass sie auf dem Gymnasium eigentlich nichts verloren hatten.
Als ich im Deutschunterricht einmal das plattdeutsche Wort „Kumme“ für Schüssel verwendete, wurde ich vor der ganzen Klasse bloßgestellt. Ich werde diesen unwürdigen Moment niemals vergessen – mein bis dahin ohnehin fast nicht vorhandenes Selbstbewusstsein war nun komplett verschwunden. Spätestens von diesem Zeitpunkt an war mir klar, dass Deutsch wohl tatsächlich nicht mein Ding ist. Ich wählte dieses Fach so schnell es ging ab und konzentrierte mich auf Fremdsprachen. Vielleicht fällt meine plattdeutsche Herkunft da nicht so auf, dachte ich. Und der Plan ging auf. 1992 hatte ich mein mittelmäßiges Abitur in der Tasche – mit Englisch und Französisch in den Hauptfächern.
Und jetzt? Studieren? Auf keinen Fall. Von Theorie und Lernen hatte ich endgültig genug. Es folgte eine Ausbildung, viel Arbeit, die Gründung einer Familie und alles, was sonst noch so zum Leben gehört.
Die Jahre plätscherten dahin und es kam so etwas wie Langweile auf. Mal etwas Neues probieren. Da kam mir der Aufruf einer Auricher Tageszeitung gerade recht. „Die Lokalredaktion sucht freie Mitarbeiter.“ Sollte ich das mal versuchen? Ich nahm den Telefonhörer in die Hand und sprach mit dem Chefredakteur. Ein paar Tage später dann mein erster Termin: Ein Gottesdienst auf dem Kleintierfriedhof in Südbrookmerland. Okay, es gibt sicherlich spannendere Themen. Aber ich war fest entschlossen, das Beste daraus zu machen.
Ich schrieb und merkte dabei, wie viel Spaß mir das macht. Mit einem etwas unsicheren Gefühlt schickte ich den Text an die Redaktion und wartete ab. Und dann dieser Moment. Da ist er: Mein Name und darunter mein allererster Zeitungsbericht. Hochdeutsch und fehlerfrei. In der Zeitung. Und alle können ihn lesen. Vielleicht ja auch meine Deutschlehrer von früher. Mehr Sternstunde geht fast nicht.